Ein Tauchgang in unseren heimischen Gewässern ist in den letzten Jahren immer spannender geworden, weil man sich nicht mehr sicher sein kann, welche Tiere und Pflanzen vor der Taucherbrille erscheinen. Immer häufiger begegnen wir gebietsfremden (nicht -einheimischen) Arten, die eigentlich überhaupt nicht nach Deutschland gehören, zumindest bisher nicht gehört haben. So die kleinen Süßwasserquallen (Craspedacusta sowerbii), handgroße Kaulquappen des Ochsenfrosches (Rana catesbeiana) oder die Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) - die Rede ist von Neozoen und Neophyten. Aktuell treten auch riesige Schwärme von Schwebegarnelen in den oberen Wasserschichten in unseren Seen auf. Dabei handelt es sich meist um Tiere wie die Donau Schwebegarnele (Limnomysis benedeni), Rotflecken-Schwebegarnele (Hemimysis anomala) und Schwarzmeer-Schwebegarnele (Katamysis warpachowskyi). Für diese oft ungebetenen "Gäste" werden die unterschiedlichsten Namen verwendet, wie Invader, Intruder, Invasoren, Aliens, Eindringlinge, Einwanderer, Fremdlinge, Eingeschleppte oder Eingeschleuste. Alle Bezeichnungen tragen eine gewisse Schärfe in sich. Dabei sind die neuen Arten doch eher Spielbälle der Globalisierung und werden absichtlich oder unabsichtlich von einem Ort zum anderen verschleppt. Eines der bekanntesten Beipsiele ist die Wandermuschel (Dreissena polymorpha), auch als Zebra- und Dreikantmuschel bezeichnet. Noch 1960 war sie im Bodensee völlig unbekannt. Ungefähr 40 Jahre später ist sie heute die am häufigsten vorkommende Muschel, und das nicht nur im Bodensee. Die erfolgreiche Verbreitung von Dreissena lässt sich aber noch viel weiter bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Ihre Heimat sind die Zuflüsse des Schwarzen und des Kaspischen Meeres. Von dort wurde sie wohl als "blinder Passagier" durch Schiffe verschleppt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Muschelarten kann sie sich wie die Miesmuschel mit Byssusfäden an einen Untergrun Bei der Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) gestaltet sich die Situation etwas anders, die um 1900 ihre Reise im Ballastwasser von Schiffen von China aus nach Deutschland antrat. Während die Larven im Meer leben, wandern die Erwachsenen weit in unsere Flüsse hinein und können dabei bis zu 30 Kilometer am Tag zurücklegen. Auf ihrem Weg fressen sie alles, was vor ihre Scheren kommt. Daher sind sie große Nahrungskonkurrenten von Fischen, die oft auch selbst zum Opfer der Krabben werden. Bei gelegentlich auftretenden M Andere "Neobiota" hatten es da sogar noch einfacher nach Deutschland zu kommen. Sie wurden bzw. werden oftmals gezielt von Menschen gezüchtet und dann ausgesetzt. Sei es, weil sie sich als Nutztiere eignen oder einfach, weil sich niemand gefunden hat, der das Terrarium über die Urlaubszeit versorgen kann und daher die Bewohner in die vermeintliche "Freiheit" entlässt. Der Ochsenfrosch (Rana catesbeiana) verdankt sein Vorkommen der Zucht durch den Menschen. Dieser bis zu 20 cm große Frosch wurde jahrelang für Terrarien und Gartenteiche im Zoohandel angeboten. In die Natur ent Diese wenigen Beispiele zeigen, wie unterschiedlich sich "Neozoen" verhalten können. Die einen etablieren sich über mehrere Generationen und werden quasi "heimisch". Andere hingegen treten nur gelegentlich und verstreut auf, weil die äußeren Bedingungen nicht stimmen. Dann gibt es noch die invasiven Arten, die sowohl nachhaltige als auch keine Schäden verursachen. Bislang sind in Deutschland 264 "Neozoen" etabliert, 443 Arten noch nicht etabliert und 442 haben einen fraglichen Status (Stand 2003).
Das Proj
Im Jahre 1492 entdeckte Christopher Kolumbus Amerika und damit begann das Kolonialzeitalter mit einem regen Austausch von Handelswaren. Seit dieser Zeit fand eine rasant wachsende Vernetzung der Kontinente untereinander statt und mit ihr auch ein beabsichtigter oder unbeabsichtigter Austausch von Tier- und Pflanzenarten. Nicht-einheimische Tiere und Pflanzen, also gebietsfremde Arten, die vor 1492 im Zuge von Ackerbau und Viehzucht bei uns angesiedelt wurden, werden als "Archäobiota" ("Alt-Lebewesen"), Organismen die nach 1492 eingeführt wurden, als "Neobiota" ("Neu-Lebewesen") bezeichnet. Bei den "Neobiota" muss zusätzlich unterschieden werden zwischen Tieren und Pflanzen, die ökologische Schäden verursachen (invasive Arten) und solchen, die keine Schäden (nicht-invasive Arten) anrichten. Handelt es sich bei den "Neobiota" um Pflanzen, werden diese als "Neophyten" bezeichnet; ein Begriff, den schon Aristoteles für aus Ägypten bezogene Papyruspflanzen benutzte. In Anlehnung daran wurde 1972 der Begriff "Neozoen" für nicht-einheimische Tiere eingeführt. ros | ||
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