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Bedrohte SüßwasserfischeBedrohte Süßwasserfische

Bedrohte Süßwasserfische - der Europäische Aal (Anguilla anguilla)

Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist aufgrund seiner schlangenförmigen, langgezogenen Gestalt unverwechselbar. Bauch- und Afterflossen sowie die Rückenflosse bilden einen langen, durchgehenden Flossensaum. Obwohl die Weibchen im Gegensatz zu den etwas kleineren Männchen über einen Meter groß werden können, übersieht man Aale nicht selten. Nicht nur die von schwarz über braun bis zum grünlichen reichende Färbung des Rückens mit dem helleren Bauch bietet dem Aal eine gute Tarnung. Oft sind die Fische auch tief in den Seegrund eingegraben und nur der relativ kleine Kopf schaut heraus. Der oberständige Mund beziehungsweise der Unterkiefer ist etwas länger als der Oberkiefer und ermöglicht es dem Aal, als aktiver Jäger seine Beute von unten her zu schnappen.
Als sehr anpassungsfähiger Fisch kommt der Europäische Aal in ganz Europa, Kleinasien und Nordafrika vor. Er lebt in allen Gewässern, außer in sehr kalten, schnell fließenden Gebirgsbächen. Da er über regen- und taunasse Wiesen wandern kann, findet man den Aal auch in abgelegenen Tümpeln. Durch Fischbesatz tritt er auch in vielen Gewässern auf, in denen er natürlicherweise nicht vorkommen würde. Aale leben ebenfalls in küstennahen Brackwasser-Lebensräumen wie Lagunen, Salzmarschen und Ästuaren. Nach neuesten Erkenntnissen gibt es auch Aale, die nie ins Süßwasser wandern, sondern ihr Leben im Meer verbringen. Der Aal ist nachtaktiv und versteckt sich daher tagsüber gerne in Gewässern mit viel Struktur und natürlichen Versteckmöglichkeiten, wie Unterwasserpflanzen, Baumwurzeln und Höhlen, oder wühlt sich in schlammigen Grund ein.

Die Aallarven (Weidenblattaale) ernähren sich von Plankton. Die heranwachsenden Aale fressen eigentlich alles, was ins Maul passt: Insektenlarven, kleine Muscheln, Schnecken und Würmer. Als erwachsener Fisch ist der Aal ein richtiger Räuber. Die beiden Formen des Aals zeichnen sich durch unterschiedliche Nahrungsspezialisierung aus. Der Spitzkopfaal mit einem etwas kleineren Mund frisst vor allem kleine, am Boden lebende Organismen wie Bachflohkrebse, Insekten, Schnecken und Würmer. Der Breitkopfaal mit tiefer Maulspalte ernährt sich gerne von kleineren Fischen. Aale fressen auch Fische, die sich in den Netzen der Fischer verfangen haben, und nehmen sich dabei auch von viel größeren Fischen nur die besten Stücke wie Herz oder Leber. Aale machen auch vor dem Laich anderer Fische nicht halt und ernähren sich ebenfalls gerne von Flusskrebsen.

Als bewegungsfaul kann der Aal allerdings nicht gelten. In seinem Leben legt der Europäische Aal über 6.000 km zurück und das zweimal! Die längste Zeit seines (erwachsenen) Lebens, nämlich bis zu 20 Jahre, verbringt der Aal im Süßwasser. Danach macht er sich auf den Weg durch Flüsse, Bäche, Seen und feuchte Wiesen bis zum Meer. Und von dort aus quer durch den Atlantik zu einem Gebiet, das man die Sargassosee nennt und zwischen Florida und den Bahamas-Inseln liegt. Die Sargassosee wird von zwei großen Meeresströmungen, dem Golfstrom und dem Nordäquatorialstrom, umspült. Dies sorgt für dauerhaft warme Temperaturen. Bei der Wanderung dorthin müssen sich die Aale nicht nur von Süß- auf Meerwasser umstellen, sondern sie fressen auch auf dem ganzen Weg nichts mehr und zehren von ihren großen Fettreserven. Am Ziel angekommen, paaren sich die Aale und sterben nach dem Ablaichen. Die Larven machen den ganzen weiten Weg zurück auf einem etwas gemütlicheren Weg und nutzen den Golfstrom als "Fließband" in den nördlichen Atlantik. Nach drei Jahren erreichen sie die unterschiedlichen Flussmündungen Europas und wandern nun als fingerlange kleine Aale zurück in die Süßwassergebiete.

Die erwachsenen Aale bewegen sich in großen Tiefen des Atlantiks Richtung Westen und werden erst mit Erreichen der Sargassosee geschlechtsreif. Dazu trägt vermutlich das deutlich wärmere Wasser dieses Meeresgebietes bei. Der Laichvorgang findet vermutlich in einer Tiefe von etwa 150 m statt, ist aber bisher noch nie beobachtet worden. Die Dottersacklarven sind in einer Tiefe von 60 bis 160 m zu finden. Obwohl bislang angenommen wird, dass die sogenannten Weidenblattlarven mit den Strömungen des Golfstroms in Richtung Europa unterwegs sind, haben neuere Untersuchungen gezeigt, dass die Larven sich bereits sehr wohl selbst aktiv fortbewegen können. Im Atlantik findet man ausgewachsene Larven in Tiefen von bis zu 550 m am Tag und zwischen 30 und 120 m bei Nacht.

Viel wurde schon vermutet, doch nur wenig ist darüber bekannt, wie Aale die Sargassosee finden. Es ist unwahrscheinlich, dass sie sich entlang einer Strömung bewegen, da die Unterschiede in großen Wassermassen nicht erkannt werden können. Obwohl Wanderaale bessere Augen haben, ist es eigentlich unmöglich, dass sie sich am Stand der Sonne oder Sterne orientieren, da sie sich in Tiefen von bis zu 700 m fortbewegen. Von dort dürfte man keine Sterne mehr wahrnehmen. Es ist am wahrscheinlichsten, dass sie mit Hilfe des Erdmagnetfeldes einen Kompasskurs einschlagen. In der Nähe der Sargassosee hilft dann ihr ausgezeichneter Geruchssinn zum Beispiel, den zum Laichgebiet zunehmenden Salzgehalt oder auch den Körperduft der anderen Aale wahrzunehmen.

Neben dem Europäischen Aal (Anguilla anguilla) gibt es noch den Amerikanischen Aal (A. rostrata) und den Japanischen Aal (A. japonica) sowie ungefähr 16 weitere Arten im indopazifischen Raum. Die ersten drei sind für uns aber von besonderer Bedeutung. Der Amerikanische Aal laicht im gleichen Laichgebiet wie der Europäische. Lange Zeit war unklar, ob es zu Vermischungen kommt und warum nicht mehr Amerikanische Aale mit der Strömung nach Europa kommen. Heute weiß man, dass sich die Laichgebiete nur teilweise überschneiden. Die Larven des Amerikanischen Aals fangen viel früher mit aktivem Schwimmen an und sind bereits nach wenigen Monaten, wenn sie die Küste Nordamerikas erreichen, zu Glasaalen gewachsen. In der Tat findet man aber in sehr geringen Zahlen auch Amerikaner an der europäischen Küste und um Island herum. Der Japanische Aal ist für uns vor allem als ursprünglicher Träger eines Schwimmblasenparasits von großem Interesse.

Bereits durch ihre bemerkenswerte Fortpflanzungsstrategie sind Aale Rekordhalter. So legt der Europäische Aal ungefähr 6.000 km zurück, um von Europa in die Sargassosee zu gelangen. Diese Distanz ähnelt den Wanderstrecken von Karibus. Umso faszinierender ist die Rückwanderung der Larven, die diese Strecke, freilich mit Hilfe der Meeresströmungen, ebenfalls wieder zurücklegen müssen und dafür bis zu drei Jahre brauchen. In bis zu 500 m Tiefe pflanzen sie sich fort. Aber auch innerhalb der Art gibt es bemerkenswerte Rekorde. Ist die Durchschnittsgröße bei Weibchen 70 cm, so hat man Aale mit 130 cm gefangen. Der Weltrekord liegt bei über sechs kg. Obwohl erwachsene Aale nach dem Laichen sterben, verbleiben sie unterschiedlich lange im Süßwasser, bis sie sich auf ihre Wanderungen machen. Trotz der immensen Verfolgung durch Angler, Bedrohung durch Krankheiten und Parasiten wurde ein Aal 88 Jahre alt.

Eine der größten Gefahren für Aale ist neben der Zerstörung von Lebensraum und Überfischung, die Infektion mit dem sogenannten Schwimmblasenparasit Anguillicola crassus. Dieser kleine Fadenwurm (Nematode) verbringt einen Teil seines Lebens in der Schwimmblase von Aalen. Er kann diese dabei erheblich beschädigen und sogar zerstören. Ursprünglich kommt er aus Ostasien, wo er den Japanischen Aal (Anguilla japonica) befällt. Mit der Einführung des Japanischen Aals in den 1980er Jahren kam er nicht nur nach Europa, sondern auch nach Afrika und Amerika. Dem Japanischen Aal selbst machen die Nematoden wenig aus, die anderen sterben aber meist nach einiger Zeit. Die Schwimmblasen werden durch die in ihr enthaltenen erwachsenen Würmer, deren Eier und Larven immer größer. Es kann zu Verstopfungen und Entzündungen des Luftzugangs zur Schwimmblase sowie zu sekundären bakteriellen Infektionen kommen. Das hat zur Folge, dass die Schwimmblase nicht mehr richtig funktioniert. Die Gaszufuhr beziehungsweise -mischung stimmt nicht mehr. Diese Aale können nicht mehr richtig schwimmen und werden in ihrer Geschwindigkeit gebremst. Infizierte Aale sind zudem empfänglicher für andere Krankheiten und werden leichter Beute von anderen Fischen. Es erhöht sich nicht nur die Sterberate der erwachsenen Tiere, sondern es erreichen somit auch immer weniger Aale ihre Laichgründe in der Sargassosee, um sich fortzupflanzen. Neben dem Schwimmblasenparasit gibt es noch einige andere Krankheiten, die den Aal bedrohen. Einige Viren und Bakterien machen dem Aal schwer zu schaffen. So führt die "Blumenkohlkrankheit" zu Wucherungen am Maul, die es dem Aal unmöglich machen zu fressen.

Der größten Bedrohung ist der Aal aber durch den Menschen ausgesetzt.

Die Wanderwege zum und vom Meer sind meist nicht mehr durchgängig. Wehre, Schleusen, starke Verbauungen und heftige Strömungen stellen selbst für einen Fisch, der kurze Strecken auch außerhalb des Wassers zurücklegen kann, unüberwindbare Hindernisse dar. Schädigungen von Aalen, die in Turbinen der Kraftanlagen gezogen werden, sind häufig. Glasaale werden in Massen gefangen, wenn sie nach Erreichen des Kontinentalschelfs in geringere Tiefen aufsteigen. Zum einen werden sie zur Aufzucht an Fischzuchtanstalten geliefert, die diese dann auch wieder aussetzen. Eine viel größere Menge geht allerdings als getrocknete Delikatesse in den Nahrungsmittelhandel. In Anbetracht der beiden gefährlichen Wanderungen und möglicher schwerer Erkrankungen, wie zum Beispiel den Schwimmblasenparasiten, verringert sich die Zahl der Aale, die sich fortpflanzen können, dramatisch. Daher sind die Bestände der Aale sehr stark bedroht.

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