Biodiversität - Bedrohte Vielfalt Die Artenvielfalt eines tropischen Meeres ist faszinierend und dennoch machen viele Sporttaucher einige ihrer schönsten Tauchgänge in unseren Seen zu Hause. Schwärme von jungen Flussbarschen, ein zwischen den dichten Wasserpflanzen stehender Hecht oder ein großer Karpfen, der aus dem tiefen grün plötzlich erscheint und genauso schnell wieder verschwindet - das sind fantastische Unterwasser-Momente.
Der Begriff der Biodiversität meint die Vielfalt des Lebendigen und wurde von Edward Osborne Wilson geprägt. Der Biologe, der sich seit über 45 Jahren mit der Verbreitung von Tieren beschäftigt, hat 1988 als erster ein Buch mit dem Titel "Biodiversity" geschrieben. Heute gehen Wissenschaftler davon aus, dass auf der Erde zwischen 10 und 100 Millionen Arten an Tieren und Pflanzen existieren. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Bekannt sind bislang etwa zwei Millionen Arten. Jährlich verschwinden mehrere tausend Arten für immer von der Erde. Man schätzt, dass sich durch den Eingriff des Menschen die natürliche Aussterberate mehr als vertausendfacht hat. Umweltverschmutzung, Überfischung, Abholzung der Regenwälder und eine zunehmende Bebauung der Landschaften sind die Hauptgründe für das Desaster.
Eine besorgniserregende Entwicklung, die auch die Politik beschäftigt: So wurde auf dem Weltgipfel in Rio de Janeiro 1992 unter anderem der Schutz der biologischen Vielfalt beschlossen. Zehn Jahre später, auf dem UNO-Gipfel für nachhaltige Entwicklung, beschloss die Staatengemeinschaft, den Verlust an Biodiversität bis 2010 zumindest zu verkleinern. Die Europäische Union (EU) kündigte sogar an, den Rückgang der Artenvielfalt bis dahin zu stoppen. Nun konnte im Jahr der Biodiversität Bilanz gezogen werden. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die guten Vorsätze sind gescheitert, das Artensterben geht weiter wie zuvor. Nicht nur in Europa, sondern weltweit. Die Bundesregierung konnte zwar für einige Arten Erfolge erzielen, aber nicht für alle einen "günstigen Erhaltungszustand" erreichen. Laut der Roten Liste 2009 für Deutschland sind 43 Prozent der untersuchten Wirbeltiere gefährdet. Weltweit sieht es noch schlimmer aus: Die Rote Liste 2009 der International Union for Conservation of Nature (IUCN) zeigt, dass die Anzahl der bedrohten Arten stetig zugenommen hat. Im Jahr 2002, als beschlossen wurde, den Artenrückgang zu verringern, waren rund 11.000 Arten bedroht, jetzt sind es über 17.000. Von den untersuchten Arten sind 21 Prozent der Säugetiere, 32 Prozent der Fische, 35 Prozent der Wirbellosen und 70 Prozent der Pflanzen gefährdet.
Mit jeder verlorenen Art sinkt die Vielfalt, wird die Welt ärmer. Für uns Sporttaucher bedeutet das zunächst einmal, dass es weniger zu sehen gibt: Weniger Farben, weniger Formen und weniger Fische. Ein bedauerlicher Vorgang, der aber oberflächlich betrachtet, nur ein "Luxusproblem" darstellt. Die wirklichen Probleme sind wesentlich tiefgehender: Verschwinden immer mehr Arten, brechen ganze Ökosysteme zusammen. Allein wenn Raubfische wie Flussbarsch und Hecht fehlen, funktioniert der Lebensraum See nicht mehr. Sind sie nicht mehr da, fehlt weit mehr als nur der schöne Anblick.