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Gliederung eines SeesGliederung eines Sees

In einem See lassen sich drei große Abschnitte unterscheiden:

1. Die Uferzone (Litoral) mit einem Seegrund, der nicht tiefer als 10 m hinabreicht und in dem verschiedene Wasserpflanzen und eine typische Ufervegetation vorkommen.

2. Der übrige Seegrund (Profundal), bis zu dem das Sonnenlicht nicht mehr in der Stärke vordringen kann, die notwendig ist, um Pflanzenwachstum zu ermöglichen.

3. Der Bereich des freien Wassers (Pelagial).

Jeder Bereich zeichnet sich durch die Zusammensetzung seiner Tier- und Pflanzenwelt aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Schematische Darstellung der Zonierung eines Süßwassers (Quelle: Xylander/Brümmer)


Das Litoral


Das Litoral ist die ufernahe Zone eines Sees, die noch von Sonnenlicht durchflutet wird. Hier haben Wasserpflanzen die Möglichkeit, durch Photosynthese zu wachsen. Die großen Süßwasserpflanzen benötigen dazu mindestens 1 bis 5 % des einfallenden Lichts. Im Litoral erfolgt in den meisten natürlichen Seen die höchste Produktion.
Anhand der vorkommenden Pflanzengesellschaften wird der Bruchwald (periphere Röhrichtzone) in die Schwimmblattzone, die Zone der untergetauchten Pflanzen und die unterseeischen Wiesen eingeteilt.

Die Röhrichtzone

In der Röhrichtzone sind die grasartigen Pflanzen wie Rohrkolben, Schilf und andere große wasserliebende Gräser (Simsen) die dominanten Pflanzen. Diese Zone kann sich bis zu einer Tiefe von 1,5 Meter in das Gewässer ausdehnen und in Seen mit sehr flachen Uferzonen weit über 10 Meter breit werden. Schilf und Rohrkolben findet man stark verbreitet auf der windgeschützten Seite eines Sees, während in Bereichen mit starker Windeinwirkung oder Viehbeweidung die Simsen dominieren. Die Röhrichtregion hat besondere Funktionen als Lebensraum für viele Tierarten - zum Beispiel auch als Wasserfilter, der Nährstoffe bindet, Stoffe abgibt, der Bakterien abtötet (Schilfkläranlage). Der Filter reinigt auf diese Weise das Wasser und dient als Erosionsschutz des Ufers, indem es mit seinem verwobenen Wurzelgeflecht den Boden gegen Wind und Wellenschlag stabilisiert. Leider ist das Wurzelgeflecht recht empfindlich: Werden Halme abgeknickt und stehen dann unter Wasser, faulen Halme und Wurzeln großflächig ab. Deshalb ist der Schilfbereich besonders sensibel gegenüber mechanischen Beeinträchtigungen (Tritt, Segler, Surfer).

Die Schwimmblattzone

An die Röhrichtzone anschließend, treten an windgeschützten Stellen Pflanzen auf, die mit ihrer Wurzel und ihrem Stängel unter der Wasseroberfläche liegen und deren Blätter auf der Oberfläche schwimmen: unter anderem die gelbblütigen Teich- und die weißblühenden Seerosen. Die Stängel der Seerosen sind maximal zwei Meter lang. Seerosen siedeln daher ufernäher als die etwas längeren Teichrosen. Um auf dem Wasser schwimmen zu können, haben die Blätter der Teich- und Seerosen einen besonderen Aufbau: unter der Blattoberfläche liegt ein schwammartiges Gewebe mit luftgefüllten Hohlräumen, das sich bis in den Stängel und sogar bis in den ebenfalls luftaderdurchzogenen Wurzelstock fortsetzt. Die Tiefenverbreitung der Seerosen wird begrenzt durch das Zusammendrücken der luftführenden Gefäße.

Die Zone der untergetauchten Pflanzen

Auf die Schwimmblattzone folgt die Zone der untergetauchten (submersen) Pflanzen. Ufernah besitzen sie sehr lange Stängel, die bis in die Nähe der Wasseroberfläche wachsen. Zu diesen "Schlingpflanzen" mit langen, im Schlamm wurzelnden Trieben gehören als häufigste Vertreter die Laichkräuter, Wasserpest sowie Tausendblatt-Arten. Bei diesen Formen handelt es sich um Blütenpflanzen, die von landlebenden Vorfahren abstammen. Ihre Blüten sind meist klein, unauffällig und reichen über die Wasseroberfläche hinaus.
Weitere relativ häufige Pflanzen dieser Zone sind zum Beispiel verschiedene Hahnenfußarten sowie das Hornblatt. In dieser Zone wachsen eingestreut auch Armleuchteralgen, insbesondere in nährstoffreicheren Gewässern. Das typische Verbreitungsgebiet dieser nach den häufigsten Arten auch als Laichkrautgesellschaften bezeichneten Pflanzengemeinschaft liegt bei nährstoffreichen Seen zwischen 1,5 und 4 Metern Tiefe. Diese Pflanzen können bis in einer Tiefe von 7 bis 8 Metern, sehr selten auch unter 10 Metern siedeln. In größeren Tiefen wird das Luft-Kanalsystem im Stängel durch den hydrostatischen Druck funktionsuntüchtig und die Pflanzen sterben ab.

Auf Pflanzen der "Laichkrautzone" findet man insbesondere in kalkreichen Gewässern einen grau-weißen Belag. Dieser Überzug entsteht, wenn Pflanzen dem im Wasser gelösten Hydrogencarbonat (HCO) für ihre Assimilation CO2 entziehen. Dabei entstehen Hydroxidionen (OR), die an der Oberseite des Blattes freigesetzt werden und dort mit weiterem Calciumhydrogencarbonat zu unlöslichem Kalk und Wasser reagieren. Dieser Kalk lagert sich auf der Blattoberseite ab und bedeckt die Blätter. Die Unterseiten bleiben frei und dienen weiterhin der Nährstoffaufnahme. Mit der Zeit platzen Kalkplättchen von der Oberseite der Pflanzen ab und sinken auf den Seegrund ab. Diesen Prozess bezeichnet man als "biogene Entkalkung" eines Gewässers. Der Kalkumsatz kann recht hoch sein und 100 Zentner pro Hektar betragen.

Die unterseeischen Seen

Unterhalb der Region der Laichkräuter kann eine weitere, oftmals flächendeckende Zone relativ kleinwüchsiger Arten auftreten, die die so genannten unterseeischen Wiesen bilden. Typische Vertreter dieser Pflanzengemeinschaft sind Armleuchteralgen, Quellmoos sowie verschiedene Schlauchalgen. Die Armleuchteralgen (Alge des Jahres 2012) können insbesondere in sehr klaren, nährstoffarmen (oligotrophen) Seen bis in eine Tiefe von 30 Metern vordringen. Die unterseeischen Wiesen sorgen in den tiefen Wasserschichten bei günstigen Bedingungen für hohen Sauerstoffeintrag. Auch Armleuchteralgen, bei denen es sich übrigens im Gegensatz zu den meisten anderen Süßwasserpflanzen um echte Algen und nicht um Blütenpflanzen handelt, entziehen dem Wasser Hydrogencarbonat und bauen daraus ein kalkiges Stützgerüst auf. Sie sind nicht zuletzt wegen dieses "Skeletts" sehr zerbrechlich und halten starken mechanischen Belastungen nicht Stand. Elastizität ist in diesem Lebensraum, in dem Wasserbewegung durch Wind und Wellen wegen der großen Tiefe als begrenzender Faktor praktisch keine Rolle spielt, auch nicht von Bedeutung. Eintrag großer Mengen von Phosphaten in die Seen führt zum Verschwinden der Armleuchteralgen. Der begrenzende Faktor für die Tiefenverbreitung der unterseeischen Wiesen ist die Eindringtiefe des Lichts.

Gewässer ohne Wasserpflanzen

Eine typische Pflanzengemeinschaft des Litorals fehlt den meisten Talsperren. Ein schmales Litoral geht dort unmittelbar in das Profundal über. Die Gründe liegen in der Steilheit der Ufer und wasserwirtschaftlichen Nutzung. Diese künstlich angelegten Seen dienen der Trinkwasserversorgung, der Flussregulation oder der Energiegewinnung. Ihre Ufer sind häufig steil und können aufgrund des im Jahreszyklus stark schwankenden Wasserspiegels regelmäßig trocken liegen (wegen des ständigen Aufstauens und Ablassens). Eine typische Ufervegetation kann sich nicht entwickeln, weil sie zum einen nicht den nötigen Platz für ihre horizontale Ausbreitung findet, zum anderen bereits wenige Meter vom Ufer entfernt das Sonnenlicht nicht mehr die Kraft hat, die Photosynthese der Pflanzen in Gang zu halten.
Ohne Pflanzen fehlt auch oft die typische Fauna der Ufervegetation. Pflanzen, die man vereinzelt im Frühjahr oder Sommer in Talsperren unter Wasser antrifft, sind häufig Landpflanzen, die nach dem Trockenfallen im vorangegangenen Sommer bis Spätherbst das Ufer besiedelt hatten. Sie überleben im Normalfall die Überschwemmungsperiode nach der Schneeschmelze im darauffolgenden Frühjahr nicht.


Das Profundal

Wasserpflanzen können nur wachsen, wenn sie durch Photosynthese mehr organische Substanzen aufbauen können, als sie durch ihren Stoffwechsel verbrauchen. Da sie für die Photosynthese Licht als Energiequelle benötigen, können sie nur in Wassertiefen mit
ausreichender Lichtversorgung gedeihen. Der Tiefenbereich, in dem das Licht gerade ausreicht, um den Energieverbrauch auszugleichen, wird "Kompensationsebene" genannt. Darunter beginnt die Tiefenzone (Profundal), in der keine Pflanzen mehr vorkommen. Im Profundal finden bakterielle Zersetzungsprozesse statt, die während der Sommermonate zur Reduzierung des Sauerstoffgehalts im Tiefenwasser führen können. Die Bakterien sind überwiegend substratgebunden. Das über dem Gewässergrund stehende Wasser enthält weniger Bakterien. Organisches Material, das durch die Produktion in der lichtdurchfluteten Zone erzeugt wurde, sinkt nach dem Absterben der Lebewesen teilweise in die Tiefenzone ab und wird dort zersetzt. Dabei werden Nährstoffe frei. Das Profundal ist insbesondere in sehr nährstoffreichen Seen (hypertroph) mit hohem Düngereintrag mit Faulschlamm bedeckt. Der während der Zirkulationsphase in die tiefen Seeschichten eingebrachte Sauerstoff reicht für eine vollständige Umsetzung der organischen Partikel durch Bakterien nicht mehr aus. Das Wasser ist dann sauerstofffrei und riecht nach Schwefelwasserstoff.


Das Pelagial

Im freien Wasser (Pelagial) leben viele verschiedene Planktonorganismen, zum Beispiel einzellige Algen und Tiere, Rädertierehen, Planktonkrebse (wie die Wasserflöhe und Hüpferlinge), aber auch einige Insektenlarven. Außerdem ist das Pelagial der Gewässerbereich, in dem wir viele Jugendformen unserer einheimischen Süßwasserfische antreffen, die im freien Wasser nach Plankton jagen.
Im Pelagial jagen als erwachsene Tiere nur wenige Fischarten, zum Beispiel Maränen, Forellen und Barsche. Das Pelagial ist in vielen großen Seen der wichtigste Ort für die Photosynthese und somit bedeutsam für die Produktion von Sauerstoff und lebendem organischem Material (Biomasse). Die bedeutendsten Produzenten sind dabei die einzelligen Algen.


Mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung des Verlags Stephanie Naglschmid.
Dieser Inhalt steht nicht unter CC BY-NC-SA

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